Geschichte

Homberger Geschichte

Die Admiral-Scheer-Brücke
Verbindung zwischen Homberg und Ruhrort von 1907 bis 1945



Viele Ältere Menschen können sich sicher noch an die einstige Verbindung über den Rheinstrom, die Admiral-Scheer-Brücke, erinnern. Vielleicht haben sie auch noch Fotos, die sie vor vielen Jahren vom Rheinstrom, vom Hochwasser, vom Eisgang und von der Brücke selbst gemacht haben. [..]

Erinnerungen werden auch wach an die Zeit, als belgische Soldaten die Brücke besetzt hatten und die Menschen gezwungen waren zwischen den Straßenbahnschienen zu gehen, wenn sie zu Fuß die Brücke überqueren wollten.

Und wer erinnert sich noch an die Trinkhalle auf der Homberger Seite, an der es "Knicker-Sekt", offiziell Selterswasser genannt, gab? Andere, die zu Fuß von Ruhrort nach Homberg kamen, waren froh, wenn sie hinter den Homberger Brückenköpfen eine Toilette aufsuchen konnten und nach der Erleichterung den Fußmarsch fortsetzen konnten.Besonders die Ruhrorter Bürger denken noch gerne an den imposanten Treppenaufgang, im Volksmund "Löwken" genannt, der von der Fürst-Bismarck-Straße auf den Rheinbrückenvorplatz führte.

Im Südturm des Ruhrorter Brückenkopfes befand sich eine Brückenturm-Schänke, die sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. An schönen Sommertagen wurden unter der Kollonade, die den Brückenturm mit dem Fußgängerweg der Brücke verband, Tische und Stühle aufgestellt. Dort konnte man neben dem Verzehr eines Bieres - aus einer bekannten Duisburger Brauerei - einen Blick auf Homberg, "Die Stadt im Grünen", werfen und das Leben auf dem Strom beobachten.

Die Verhandlungen über den Bau einer festen Rheinbrücke für Straßenbahnen, Fuhrwerke und Fußgänger zwischen den Gemeinden Homberg und Ruhrort reichen bis in das Jahr 1872 zurück. Die Anregung zum Bau einer Brücke ging vom Homberger Bürgermeister Lauer aus. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft Überlegungen anstellte, eine Eisenbahn von Sterkrade oder Oberhausen bis Straelen, mit Anschluss an die Hamburg-Venloer-Eisenbahn, zu bauen, mit einer Eisenbahnbrücke über den Rhein unterhalb Ruhrorts. Gemeinsam mit seinem Ruhrorter Amtskollegen, Bürgermeister Weinhagen, schrieb Lauer an den Minister in Berlin und bat, die Konzession nur unter der Bedingung zu erteilen, daß die Brücke auch für Fußgänger und Fuhrwerke genutzt werden konnte.

Bis zum Jahre 1896 wurden ständig neue Vorschläge bezüglich des Standortes der neuen Brücke vorgebracht; zeitweise war das Projekt "gestorben".

Am 14. 02. 1896 richteten die Bürgermeister Lauer und Weinhagen ein von ihnen persönlich überreichtes Gesuch an den Herrn Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin und baten, die generelle Zustimmung zu dem beabsichtigten Brückenbau zu erteilen. In diesem Schreiben wurden die Unzulänglichkeit der bestehenden Verkehrsmittel und ihr gänzliches Versagen zu gewissen Zeiten eingehend geschildert, wie z.B. bei Hochwasser und Eisgang. Ausserdem wurden die wirtschaftliche und strategische Bedeutung einer Brücke ausführlich begründet und darauf hingewiesen, daß schon vor Jahrzehnten die Herstellung einer solchen Brücke Gegenstand von Verhandlungen gewesen war. Desweiteren bestand ab 1884 der Güter-Trajektverkehr zwischen Ruhrort und Homberg nicht mehr, so dass zwischen den Gemeinden der Verkehr nur noch von zwei Dampffähren vermittelt wurde. Die vorläufig ermittelten Baukosten wurden mit ca. 3 Mio Mark angegeben und sodann noch ausgeführt: "Das Vorhaben beider Gemeinden bedingt somit auf Jahrzehnte hinaus ein schweres finanzielles Opfer".

Der Minister hatte, auch was die geplante Lage der Brücke betraf, keine Bedenken. Trotzdem wurden dem Projekt von den verschiedensten Stellen immer wieder Steine in den weg gelegt. Endlich, nach weiteren acht Jahren, nämlich 1904, konnte mit dem Brückenbau begonnen werden. Die Eisenbahngesellschaft in Köln erklärte sich damit einverstanden, daß an Stelle einer Eisenbahnbrücke eine Straßenbrücke gebaut wird. Um jedoch eine Verbindung zwischen den Bahnhöfen in Ruhrort und Homberg herzustellen, sollte eine Straßenbahn über die Brücke fahren. Die Straßenbahn sollte eine regelmäßige und bequeme Beförderung der Reisenden und ihres Gepäcks - unter Einsetzung mehrerer Personenwagen und eines Gepäckwagens - gewährleisten. Die Endpunkte der Straßenbahnhaltestellen sollten in unmittelbarer Nähe des jeweiligen Bahnhofes liegen.

Den Zuschlag zum Bau der Brücke, bekam die Firma MAN. Mit dem Bau der Widerlager und Pfeiler wurde im August 1904 begonnen. Mit der Herrstellung der Rampen begann man im März 1905 in Ruhrort und im September 1905 in Homberg. Der stählerne Überbau wurde ab Juni 1905 montiert, und zwar von der Homberger Seite aus in Richtung Ruhrort. Bereits nach zwei Monaten hatte man den ersten Pfeiler und nach weiteren sieben Monaten den Strompfeiler erreicht.Nun konnte der Freivorbau beginnen, der ebenfalls nach sieben Monaten abgeschlossen war. Damit war die Mittelöffnung montiert und die Brücke hatte den Pfeiler auf der Mole der Ruhrorter Hafeneinfahrt erreicht. Insgesamt dauerte die Montage des 625,8 Meter langen stählernen Überbaus bis Anfang des Jahres 1907, also 18 Monate.


Jedoch nur 38 Jahre durfte die Brücke den geschäftigen Menschen des niederrheinischen Landes zur Verfügung stehen. In der Nacht vom 4. zum 5. März 1945 wurde sie von zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt.
Wie wichtig diese Verbindung über den Rhein war, zeigt eine Statistik aus dem Jahre 1910. In diesem Jahr überquerten 832.986 Fußgänger, 99.762 Pferde, 8.145 Rinder und Esel, 6.175 Stück Kleinvieh, 82.738 Lastfuhrwerke, 107.422 kleinere Fahrzeuge und 8.263 Kraftwagen, davon 6.129 für Personen, die Brücke. Die Gesamteinnahme an Brückengeld betrug 221.016,40 Mark.

Die Straßenbahn beförderte 577.015 Personen über die Brücke. Zu den Baukosten wäre noch zu sagen, daß sie insgesamt 6.607.002,40 Mark betrugen. Hierin enthalten sind u. a. die Grunderwerbskosten, die Ausgaben für die Hauptbrücke, die Brücke über den Eisenbahnhafen in Homberg mit der Fußgängerrampe, die Eisenbahnbrücke in Ruhrort sowie die Kosten sämtlicher Rampenanlagen und der Ruhrorter Treppenanlage. Auf die Admiral-Scheer-Brücke, einschließlich der Pfeiler und Widerlager, entfielen 47,5% der gesamten Aufwendungen, also 3.156.385,66 Mark. Zum Vergleich: Die ca. 47 Jahre später erbaute Friedrich-Ebert-Brücke hat bereits 35 Mio DM gekostet.




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