Blickpunkte

Blickpunkte am Wegesrand

Die Fährstation Essenberg



Wenn man nach einem Spaziergang am Rhein, am Ende des Leinpfades, in Essenberg angekommen ist, fällt der Blick auf eine Raststätte, die sich hinter einer hohen Stützmauer befindet. Es kommt der Gedanke an eine Pause, um sich bei einem kühlen Getränk auszuruhen. Die Auslage verspricht Bier vom Fass, Bourbon, Brandy und alkoholfreie Getränke.

Zielstrebig steuert man auf die Eingangstür, die mit einem Oberlicht und einen Briefschlitz versehen ist, zu, und möchte mit der Hand die Türklinke herunterdrücken. Aber es passiert nichts, denn die Hand greift ins Leere; es handelt sich bei der Fassade lediglich um ein täuschend echtes Gemälde. Oberhalb der Fassade ist ein schmiedeeisernes Gestell an der Mauer angebracht, an dem ein Holzschild mit der Aufschrift "Fährstation Essenberg“ hängt; darunter befindet sich eine Aufklärungstafel, die an die Geschichte der Fährstation erinnert.

Der ab 1569 existierende Fährbetrieb zwischen Essenberg und DU.-Neuenkamp fand zunächst ein Ende durch den Bau der Admiral-Scheer-Brücke über den Rhein zwischen Homberg und Ruhrort im Jahre 1907. Nach der Sprengung dieser Brücke 1945 lebte der Fährbetrieb wieder auf, um nach dem Bau der Friedrich-Ebert-Brücke im Jahre 1954 endgültig eingestellt zu werden.

Die Umrisse der ehemaligen Fährstation sind in der alten Mauer unterhalb der Wilhelmallee deutlich zu erkennen. Zunächst ein großer Bogen, in dem früher ein Schaufenster mit einer Tür eingesetzt war, dahinter befand sich ein Lokal, in dem neben dem Kartenverkauf für den Fährbetrieb auch Erfrischungsgetränke für Kutscher und Fuhrleute ausgeschenkt wurde. Bei dem kleineren Spitzbogen nebenan handelt es sich um den Eingang zum oberhalb der Station gelegenen Restaurant Hessels, einem um 1900 beliebten Ausflugslokal, das schon vor Jahrzehnten abgerissen wurde. Die Reste der Fährstation haben wohl nur "überlebt“, weil die Mauer, in die sie eingelassen war, 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Nach dem Einsturz der Decke der ehemaligen Fährstation wurden die Hohlräume zugeschüttet und die Eingänge bündig mit der Mauer verputzt, wobei die Umrisse der aus Natursteinen bestehenden Bögen erhalten blieben.

Der Freundeskreis Historisches Homberg e.V. hatte die Idee für die Gestaltung und beauftragte Künstler aus Duisburg, die ehemalige Essenberger Fährstation nach alten Fotos wiederaufleben zu lassen, um somit die Erinnerung an eine Jahrhunderte bestehende Fährgeschichte lebendig zu halten. Falls Sie, liebe Leser, bei einem Spaziergang an der ehemaligen Station anhalten und dennoch nicht auf ein kühles Getränk verzichten möchten, begeben Sie sich nur ca. 50 m nach links in eine direkt am Rhein liegende Gartenwirtschaft.



copyright: Franz Gerd Gehnen † | Freundeskreis Historisches Homberg e.V.