Blickpunkte

Blickpunkte am Wegesrand

Kohlenlore



Während im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Kohleförderung auf den Schachtanlagen Rheinpreussen in Homberg auf Hochtouren lief, trat in dieser Zeit, und zwar am 24. Oktober 1887, Heinrich Pattberg (nach ihm ist auch eine Strasse in Homberg benannt), seinen Dienst als Laufsteiger an und wurde bereits 1892 als Dreißigjähriger zum technischen Leiter der Zechenanlagen ernannt. Er erkannte, dass der bisherige Kohlentransport über die Hochbrücke (im Volksmund auch „Bögen“ genannt) zum Rhein den zukünftigen Anforderungen nicht mehr genügte. Er entschloss sich, im Jahre 1900 einen werkseigenen Hafen anzulegen, und zwar den heutigen Rheinpreussenhafen.

Am 24. Oktober 1907 wurde der Hafen mit einer Schiffswendesohle von 100 m und einer Kaimauer von 445 m Länge feierlich eröffnet. Aufgrund seiner enormen Ausmaße für die damalige Zeit war es möglich, dass auch große Schleppkähne den Hafen anfahren konnten, um die Kohle in ihren Laderäumen aufzunehmen. Um vom damaligen Dorf Homberg zum gegenüberliegenden Schutzdamm zu kommen, baute man eine 7 m breite Klappbrücke über den Hafen; die Klappbrücke wurde später durch die noch heute vorhandene, und immer noch funktionstüchtige Hebebrücke ersetzt. Zu den beidseitig des Hafenbeckens angelegten Schienen führte eine Zechenbahn, welche die Kohle von den Schachtanlagen zum Hafen beförderte und dort auf die Schiffe verladen wurde.

Heute ist es still um den Hafen geworden; hauptsächlich Jogger, Radfahrer und Spaziergänger nutzen noch die Brücke. Seit einigen Jahren sind so gut wie keine Schiffe mehr im Hafen zu sehen, da dort keine Kohle mehr verladen wird.

Was mit dem Gelände endgültig passiert, ist zur Zeit noch nicht zu übersehen. Der letzte moderne Kran wurde im Jahre 2003 abmontiert; lediglich ein alter Kran stand noch dort und fristete sein Dasein. Der Freundeskreis Historisches Homberg e.V. hatte bereits angeregt, diesen Kran als Zeitzeugen unter Denkmalschutz zu stellen. Leider blieb es nur bei dieser Anregung, da dieser Kran zwischenzeitlich auch entsorgt wurde.

Neben den bisherigen Aktivitäten hat der Freundeskreises Historisches Homberg e.V. jetzt die Kohlenlore in unmittelbarer Nähe der Brücke über den Rheinpreussenhafen aufgestellt und somit erneut zur Verschönerung des Ortsbildes beigetragen; auch soll die Kohlenlore einen unmittelbaren Bezug zur ehemaligen Kohlenverladestelle im Hafen darstellen und an die Bergbauzeit in der ehemaligen "Stadt im Grünen“ erinnern.



copyright: Franz Gerd Gehnen † | Freundeskreis Historisches Homberg e.V.